Vergessen bringt Luxus

20200816_151901Vergessen wurde die komplette Kochertasche, womit sich der Luxus einstellte, die Mahlzeiten auf Terassen in Friesland serviert zu bekommen. Eine kurze Hochsommertour hilft, den Basteleien der letzten Tage etwas Sinn zu geben. Die Hitze war allerdings so, dass die Kurse teilweise danach gewählt wurden, im Schatten der Segel sitzen zu können.

Beim Stegliegen fällt immer wieder auf, wie lang der Mast im Vergleich zum kurzen Bootle wirkt. Bei wenig Wind zeigt sich dann aber die erfreuliche Leistung, die in den kleinen Micros steckt.

Die ganzen Klemmen und Umlenker wurden erneuert/hergerichtet, aber erstmal wieder so angebracht, wie es ursprünglich von Jeanneau vorgesehen war. Das eine oder andere dürfte sich als nicht ganz so praktisch erweisen. Aber irgendwie hat diese Leinenführung auf Deck auch was.20200816_132415

Sehr erfreulich ist die einfache Umrüstung zu verstellbaren Holepunkten. Die vorderste Einstellung bringt genau das maximal tiefe Profil der Fock; zusammen mit der Luvschot hat man sogar eine einfache 3D Verstellung. Die Fockshotführung über die Winschen erweist sich allerdings als – vorsichtig formuliert – nicht ganz optimal (Murks).

20200816_131500

Veröffentlicht unter Allgemein, Touren | Kommentar hinterlassen

Ruder, Badeleiter, Rehling laminieren

20200722_191438Der Vorbesitzer hat das Boot immer nur mit halb eingestecktem Ruder gefahren. Es hat eine Weile gedauert, bis mir das überhaupt klar wurde. Warum …?! Egal. Nach dem Entfernen der alten Halterung im Ruderbeschlag begann die Phase, die beim Amateurbootsbasteln (vielleicht auch bei den Profis), die meiste Zeit braucht: Suchen, Suchen, Suchen. In dem Fall nach einem Ersatzmaterial für die Klemmvorrichtung: dauerhaft, abriebfest, etwas federnd aber nicht komprimierbar, mit Reibung/Haftung, witterungsbeständig, mit griffigem Profil, zuschneidbar. Die Lösung hier: Schuhsolen. Als Plattenware für wenige Euro beim Schuster um die Ecke. Hält das Ruder aufs erste spielfrei fest.

20200722_191505 Amateurbootsbasteln braucht Suchzeit. Auf dem Kleinstkreuzer aber nochmal besonders viel. Denn wo andere einfach eine Badeleiter anschrauben können, braucht es auf dem Kleinstkreuzer diverse Mockups, Maßblätter und Anproben bis ein Modell gefunden ist, dass sich beim Segeln aus dem Wasser ins Boot klappen lässt und dennoch problemlos auch im Wasser schwimmend wieder heruntergeklappt werden kann. Die leicht greifbare Badeleiter für mich sowieso eines der wichtigsten Sicherheitsfeatures, wenn man gern Einhand auf dem Kleinstkreuzer ist.

Um die Rehling wieder zu montieren, waren leider umfangreichere Laminierarbeiten nötig. Eine etwas schwache Konstruktion des Rehlingfußes haben dem Deck an der Stelle zugesetzt. Daher wurde das Sandwich teilweise ausgefräst und erneuert, eine Aluminiumplatte eingesetzt sowie von oben das gerissene Gelcoat entfernt, Bohrlöcher ausgegossen und einige Lagen auflaminiert. Wenn es so ausreichend stabil ist kommt im Winterlager dann wieder Gelcoat drauf.20200722_191103.jpg

Veröffentlicht unter Allgemein, Refit | Kommentar hinterlassen

Refit Kajüte II

Ob etwas Teppich an der Wand wohnlich und nötig ist muss sich noch zeigen. Der verwendete Flüssigkunststoff als Innenanstrich hält Kondensfeuchte zu einem gewissen Teil. Evtl. ist das so schon völlig ausreichend für die Übernachtungen während der Touren. 20200721_143826.jpg

Die Sitzbänke wurden teilweise erhöht und der gewonnen Raum mit Schaumstoff als Auftriebskörper gefüllt. Somit sollten auch Regattaanforderungen erfüllt sein. Erneuerte bzw. neu lackierte und eingeschraubte Bretter geben eine gute Unterlage ab. Die Fläche wurde dadurch auch noch etwas größer, so dass übliche Faltmatratzen statt teurer Bootspolster genutzt werden können. Weiß und Mahagoni, schlicht und klassisch und hoffentlich praktisch und bequem. Ein Fach auf jeder Seite ist ohne Schaumstoff, so dass dort zwei große Segeltaschen Platz finden können und nichts im Boot herumrollen muss.

20200722_19033520200722_190806.jpg

Veröffentlicht unter Allgemein, Refit | Kommentar hinterlassen

Eins, zwei und drei Sachen am Rigg

Lange nichts passiert hier, am Boot allerdings schon. Auch wenn andere Prioritäten nur häppchenweise Kleinstfortschritte erlauben. Aber ein, zwei Sachen machen Fortschritte.

20200624_123432.jpg

Neueste Tauwerkstücke am uralten Mast. Das Bild stammt aus der Dokumentation des Mastes mit dem ZSpars Europe versuchte, in ihren Archiven Ersatz für den beschädigten Mastfuß zu finden. Leider nicht von Erfolg gekrönt, aber der Service und die Mühe dahinter war top!20200705_143606

Im letzten Herbst war die Sicherungsöse gebrochen, nachdem sie wohl einmal zu oft als Scharnier beim Maststellen missbraucht wurde. Mein Wunsch, das Ding auszurichten und eine neue Öse zu schweißen löste bei mehreren Schweißereien Diskussionen aus.

Letztlich hat eine kleine Spezialschweißerei Hand angelegt. Die Diskussionen dort beschränkten sich auf: „Joa, dauert halt etwas.“ Reißt mir mal ein Motorblock, weiß ich jetzt, mit wem ich darüber reden würde.

20200722_191402 Um die Wenden mit ausgestelltem Groß nicht allzu aufwendig zu gestalten, habe ich mir ein Achterstagheber eingebildet. Kleinere Schweißarbeiten und diverse Besorgungsgänge später gibt es den jetzt auch. Die leise zweifelnden Stimmen, ob es das bei einem 40 Jahre alten Boot und Mast so bringt, sind im Lärm von Bohrern und Fräsen untergegangen. Windexhalterung schien mir aber definitv kein Fehler.20200705_143535.jpg

Erfreulich ist, dass für die großen Arbeiten tageweise der ausgezeichnete Werkraum im Segelverein genutzt werden konnte; Kran, große Werkbänke rundum, dazu alle erdenklichen Arbeitshilfen und gutes Licht. Keine Ahnung wie lange solche Arbeiten dauern, wenn man dazu ständig vom Keller zum Carport muss und umgekehrt.

Eine Lehre steckt da auch noch drin: niemals einen Mast mit offenen Enden mehrfach drehen und umlagern, besonders nicht, wenn man gerade erst alle Leinen schön eingezogen hat. Den Spaß mit dem Auge im Mast dann alle Leinen wieder zu entwirren muss man mögen.

 

Veröffentlicht unter Allgemein, Refit | Kommentar hinterlassen

Epoxy tempern (poor mans style)

Die meisten Harze härten nur dann wie vorgesehen aus, wenn die laut Hersteller optimalen Bedingungen für Temperatur und Luftfeuchte beim Durchhärten eingehalten werden. Zusätzlich kann die Härte und Elastizität besonders von Epoxidharzen noch deutlich gesteigert werden, wenn bei oder nach der Ersthärtung (das unterscheidet sich je nach Harzsorte) unter deutlich erhöhter Temperatur ausgehärtet wird. Die Temperung erfolgt dabei meist bei Temperaturen um 60 Grad und dauert 24 bis 48 Stunden. Es können aber auch deutlich höhere Temperaturen oder andere Zeiten vorgeschrieben sein.

Während man sich bei Arbeiten am Boot mit Werkraumheizung, Heizdecken u.ä. behelfen muss, lassen sich kleinere Bauteile, Pinnen (ausleger) usw. in einer sogenannten Temperkammer nachhärten. Mann kann diese aus Holz mit Vollisolierung, elektronischer Steuerung und Lüftung bauen.

Oder man kauft einen kleinen Ölradiator mit eingebautem Thermostat, steckt etwas hitzefeste Isolierung in einen Umzugkarton und den Fühler vom Grillthermometer hinein. Ein Pfeil mit Saugnapf auf dem Drehregler des Radiators erlaubt, die Temperatur nachzuregeln, ohne die Box öffnen zu müssen. So gann man die Temperatur auch kontrolliert stufenweise steigern (Temperaturrampe). Die Box wird etwas schräg gestellt, damit eine Luftbewegung innen für eine Wärmeverteilung sorgt. Der Radiator hält – zumindest nach Ansicht des Grillthermometers, die Temperatur mit geringer Schwankung. Ein Funkthermometer sorgt dafür, dass man die Temperatur immer im Blick hat und piept, wenn irgendwas nicht mehr stimmt (oder der Braten fertig ist). Für lange Bauteile kann man mehrere Umzugskartons hintereinander stecken. Fertig ist der modulare poor mans Temperofen.

DSC_0677

Veröffentlicht unter Refit | Kommentar hinterlassen

Reparatur an Sandwichlaminat mit Epoxy

Reparatur an Sandwichlaminat mit Epoxy

Als kleiner Erfahrungsbericht wird hier die Reparatur eines Einschlages im Sülrand dokumentiert. Bei der Inspektion zeigte sich, dass durch den Zusammenstoß das Sandwich ein beträchtliches Stück weit komprimiert wurde, das Laminat sich löste und auch die Rumpf/Dech Verbindung über eine ganzes Stück aufgebrochen ist.

Der Werkraum lässt wegen Temperatur und Geruch leider nur das Arbeiten mit Epoxy statt Polyester zu, so dass der Schaden lackiert werden muss und nicht mit Gelcoat abgeschlossen werden kann.

Material

  • Epoxidharz mit langsamem und schnellem Härter
  • Glasgewebe 80gr bis 600gr
  • Abreißgewebe Nylon
  • Trennfolie
  • Universalreiniger und -entfetter
  • Microspheres, Microballoons, Microfiber

Werkzeug

  • Multimaster
  • Handschuhe, Atemschutz
  • Briefwaage
  • Rührbecher
  • Japanspachtel
  • einfache Pinsel
  • schmale lösemittelfeste Schaumrollen

1. Arbeitsgang

Zuerst wurden alle losen und mürben Stellen mit dem Tauchsägeblatt am Multimaster entfernt. Damit das neue Laminat gut haftet wurde rundum das Gelcoat entfernt (Multimaster mit Hartmetalraspel) und das Laminat im Verhältnis 1:12 angeschäftet. In diesem Fall wurde Deck und Rumpf so ausgesägt, dass „verwinkelte“ Lagen bleiben, um möglichst wenig durchgehende Bruchkanten zu haben.

dsc_0179

Als Schaumkern wurde Airex C70.75 verwendet. Der Schaum gilt als guter Allround Schaum im Bootsbau. Für speziellere Anwendungen werden druckfestere, zähere oder biegsamere Schäume (bspw. Honeycomp) genutzt. Alle Sandwichmaterialien sind darauf ausgelegt, dass sie optimal Harz annehmen und so druckfest sind, dass sich ein robustes Sandwich ergibt. Auch Balsastirnholz hat perfekte Eigenschaften für diesen Zweck.

dsc_0464

Zum Fixieren wurden Stahlstifte in das Sandwich geklopft und die neue Schaumplatte ausgerichtet. Dann wurde diese zuerst mit Harz eingestrichen und schließlich mit einer Mischung aus Harz und Microfiber (Ketchupkonsistenz) eingeklebt. Durch die Microfiber erhält das Harz eine zähe zugfeste Konsistenz, optimal für Verklebungen oder Hohlkehlen.

dsc_0182

Durch die Stahlstifte wurde der Schaum so fixiert, dass gleich noch eine Lage 600gr Gewebe auflaminiert werden konnte. Das Harz wurde dabei mit Schaumrollen aufgebracht. Damit kann man gut andrücken und entlüften und kommt auch an abgelegene Ecken gut ran.

dsc_0184

2. Arbeitsgang

Um die Form des Sülrandes widerherzustellen wurde ein Stück Plastikrohr mit Trennfolie überzogen und eine Lage Glasgewebe darüber laminiert und mit Abreißgewebe in Form gezogen. Leider rutschte das Rohr unbemerkt etwas, so dass das Glasgewebe nicht sauber auflag und wieder etwas abgeschliffen werden musste.

dsc_0462

3. Arbeitsgang

Aus Harz, Microfiber und Microspheres wurde eine zähe Spachtelmasse hergestellt (Frischkäsekonsistenz). Mit der Spachtelmasse wurde der Sülrand grob nachgeformt und dann mit einer Lage Glasgwebe 600gr überzogen und glattgestrichen.

dsc_0467

dsc_0466

Zum Laminieren in kleine Ecken und Winkel kann man einfache Pinsel abschneiden und so zum Auftragen von Harz und  zum Entlüften verwenden.

dsc_0473

4. Arbeitsgang

Um das Laminat von unten an die schwer zugängliche Schadstelle zu ziehen wurden zwei Lagen 600gr Gewebe leicht konvex auf einer Trennfolie laminiert und ausgehärtet. Darauf wurden die Gewebestücke aufgelegt, eingeharzt und dann auf das Loch gezogen.

dsc_0469

dsc_0476

Auf das Laminat wurde Abreißgewebe (Nylon) aufgebracht. Durch das Abreißgewebe lässt sich überschüssiges Harz drücken. Nach dem Aushärten wird es abgerissen und hinterlässt eine rauhe Oberfläche, auf der direkt weiter laminiert werden kann. Auch Aminröte kann so nicht entstehen.

dsc_0477

5. Arbeitsgang

Dann wurde ein Stück Schaum eingeklebt und von oben mit 2 Lagen 450gr Gelege und 2 Lagen 80gr Gewebe auflaminiert. Die Festigkeit des Laminates sollte so wieder ungefähr der ursprünglichen Konstruktion entsprechen.

dsc_0480

dsc_0484

6. und 7. Arbeitsgang

Spachteln, Schleifen, Spachteln, Schleifen. Als Spachtelmasse eignet sich Harz, das mit Thixotrohpiermittel und Microspheres zu einer nicht fließenden Masse angerührt wird. Nach dem ersten Spachteln und Schleifen sind noch einige Dellen zu sehen und für den zweiten Spachteln / Schleifen Durchgang markiert.

dsc_0485

8. Arbeitsgang

Einmal Epoxy Primer aufgestrichen. Leider etwas kalt und feucht in der Werkstatt. Hoffentlich härtet er gut aus.

dsc_0488

7. Arbeitsgang

Zuletzt eine Lage 2-K Lack aufgerollt. Trotz passender Farbwerte bleibt der Unterschied von Lack zu Gelcoat auch nach dem Polieren weiter zu sehen.

dsc_0502

Veröffentlicht unter Refit | 1 Kommentar

Weitere Touren

Bevor es dieses Jahr wieder aus dem Wasser ging, gab es doch noch Gelegenheit für kleinere Runden. Nicht so ausführlich wie erhofft, aber dennoch immer schön. Das Boot macht sich so langsam bekannt. Wie oft beschrieben muss man sich darauf einstellen, beim Microcupper die Segelfläche immer mal wieder an den Wind anzupassen, damit das Boot aufrecht segelt. Zumindest solange man nicht zu Dritt Gewicht auf die Kante bringen kann. Allerdings segelt das Boot auch mit unterschiedlichen Konfigurationen recht gut, manchmal überraschend: der Track zeigt einen Amwindkurs ohne Fock und im 2. Reff. mit 90° Wendewinkel, teilweise eher noch kleiner, bei kräftigem Wind aber ohne Welle. So macht Tourensegeln Spass.

 

Wenden 2. Reff ohne Fock

Slippen des Bootes gelingt mit den installierten Rollen recht gut. Leider konnte ich für das Boot keinen passenden Kipptrailer besorgen, wie er in Frankreich beliebt ist. Damit ist meines Erachtens das Slippen noch schonender möglich. Mal sehen, ob da im nächsten Jahr noch Verbesserungen nötig sind.

Auf der Slippbahn

Veröffentlicht unter Touren | 2 Kommentare

Erste Tour in Friesland

Tour ab Akkrum

Ein kleines Örtchen mitten in Friesland. Es ist sehr gut per Bahn oder Auto zu erreichen. Der Ort selbst ist aber nicht annähernd so stark besucht wie die bekannteren Ortschaften in Friesland. Man liegt hier etwas ruhiger, kann allerdings in beide Richtungen gerade für kleine Boote sehr schöne Strecken segeln.

Am Hafen gibt es Slip, Kran, Mastkran, eine Werkstatt und ein gut sortierter Bootsausrüster ist auch vorhanden. Am Wochenende und in der Saison öffnet ein Cafe mit sehr schönen Sitzmöglichkeiten.

Um das Boot wenigstens mal zusammen zu setzen und noch etwas zum Segeln zu kommen hat Charlotte hier im Herbst einen Liegeplatz bekommen. Es passt natürlich noch nichts wirklich zusammen. Ich hatte schon verdrängt, dass ich auch beim vorherigen Jollenkreuzer ein bis zwei Saisons brauchte, bis alles so funktionierte, wie ich mir das wünschte. Angefangen vom Fockroller, über die Strecker bis hin zu klemmen wird wohl nach und nach alles getauscht werden müssen.

Der Mast ist mit 820cm, einem nach heutigen Maßstäben relativ schweren Profil und schweren Gußbeschlägen alleine schwer zu stellen. Mit Hilfe eines Jütbaumes und einer Leinenkonstruktion zum ziehen von Hilfswanten (also viel Gebammsel) habe ich ihn letztlich ohne Krafteinsatz hochziehen können. Aber eine robuste Konstruktion sieht anders aus. Im Winter wird also wohl eine Jütgabel und eine ausziehbare Maststütze gebaut werden.

Die neuen Segel jedenfalls passten sehr genau und versprechen viel Spass. Wie auf den Bildern unten zu sehen kann man auch bei gerade mal spürbarem Wind segeln. Bei Fastflaute zog das Boot noch mit 1,5kn dahin und ließ sich problemlos durch die Wenden drehen. Mal sehen, wie sich das dann aber am anderen Ende des Windspektrums anfühlt.

Veröffentlicht unter Touren | Kommentar hinterlassen

Segel

Die neuen Segel sind eingetroffen, so dass es Zeit wird, das das Schiff aufs Wasser kommt. Es sind allerdings einige Anpassungen am Rigg wie ein kurzer Achterstagheber für das (moderate) Square Top nötig. Den Erfahrungen nach, die so recherchierbar waren, hatte ich eigentlich damit gerechnet, dass durchweg Foliensegel empfohlen werden. Aktuelle Polyesterfolien sind mechanisch fast so dauerhaft und nicht teurer als gutes Dacron. Im Stand und Profil aber besser. Wie auch bei anderen Kielbootklassen wird das aber nicht durchweg so gesehen. So wurde für Micros vielfach ein Mix aus Polyesterlaminat für die Fock und Dacron für das Groß empfohlen und von mir auch so bestellt.

Die neueren Focks werden sehr gestreckt geschnitten (high aspect). Das Groß hat ein moderat ausgestelltes square top bekommen, um auch hier ein langes gleichmäßiges Profil zu stellen. Da die Micros tendentiell einen relativ weit vorne liegenden Lateralpunkt haben soll das gut passen.Wenn sich die Segel bewähren wird sich auch der Baum noch ein gutes Stück kürzen lassen.

Da Micros eine aktive Regattaklasse sind bekommt man schnell ein Bild davon, welche Segelmacher aktuell gute Segel liefern. Entsprechend der Verbreitung der Klassen bestimmen polnische Segelmacher wie Narwal oder Ocean Sails und französische Lofts wie Star Voiles oder Technique Voile die Szene. Durch die Rückmeldung der Regattaselger entwickeln diese Segelmacher ihre Segel kontinuierlich weiter. Die Angebote haben sich dennoch deutlich unterschieden. Einige Mails und Zeichnungen später wurden die Segel aus Frankreich geliefert. Bis ins letzte Detail genau so umgesetzt wie gewünscht. Leider wurden die Segel für die Lieferung gefaltet. Ein Detail, das ich beim nächsten mal besser beachten würde. Schnitt, Klebe und Nahttechnik und die Details wie Bändsel oder Stagreiter unterscheiden sich schon sehr von älteren Segeln.

2016-05-12_13_07_42

Großsegel aus Dacron mit zwei Reffreihen und grünen Details

2016-05-12_13_07_38

Fock aus Pentex

Profilsichtung bei einer Micro mit Sailpack Vision durch Technique Voile
Quelle: https://www.facebook.com/TechniqueVoile/photos/pcb.865940833471977/865938520138875/?type=3:

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Veröffentlicht unter Refit | 1 Kommentar

Refit Ruder

Gibt es eigentlich so etwas wie Bootsarchäologie? Man kommt viel ins grübeln, wenn man anfängt ein Boot zu richten. Wozu wurde diese Schraube einmal eingedreht (mitten am Bug), wozu ist dieser Beschlag einmal gedacht gewesen, was zum Kuckuck hat sich einer der Vorbesitzer dabei gedacht, überhaupt gedacht, warum diesen Murks gemacht? Gut, es gäbe Unterschiede zur klassischen Archäologie.

2016-03-26_17_41_35

Ruder nach dem Beizen der 4 Antifouling Lagen

Am Ruder blieben nach dem Abbeizen einige merkwürdige Reste unter dem Antifouling, die sich so leicht wie Wandputz abschleifen lassen. Vermutlich ist es Wandputz. Dann war wohl einer der Vorbesitzer Maurer 😉

Auch ein größerer Schaden wurde einfach mit Zahnpasta (oder ähnlichem) gespachtelt und dann einfach mit Antifouling übertüncht. Zum Glück stand das Boot nun einige Jahre trocken an Land, so dass solche Stellen direkt laminiert und gespachtelt werden können.

Andere Stellen am Ruder sehen eher nach schwerer Karies aus. Vermutlich ist das einer der Gründe dafür, dass so viele Zahnärzte Bootsbesitzer werden. Mann kann auch beim Hobby am Wochenende mit den vertrauten Werkzeugen hantieren. Da ich kein Zahnarzt bin habe ich mir hierfür allerdings gesondertes Werkzeug anschaffen müssen. Hoffentlich kauft mein Zahnarzt sein Werkzeug nicht auch beim Discounter.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Spachteln, Schleifen, Spachteln, Schleifen, Spachteln, Schleifen und dann vier Lagen Epoxy Primer und es sieht schon etwas besser aus.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Wie auch das Unterwasserschiff wird das Ruderblatt mit dem schwedischen biozidfreien Antifouling LeFant TF beschichtet. Das Antifouling ist mechanisch ausreichend robust, für Trailersegler und die meisten Binnenreviere bietet es guten Bewuchsschutz. Als Epoxy Grundierung kam hier VCTar zum Einsatz. VCTar wird dünn in 4-5 Lagen gestrichen, dafür können die Lagen recht schnell überstrichen werden. Die Epoxy Grundierung von LeFant ist eher dickschichtig und benötig Trocknungszeit zwischen den Lagen; dafür werden nur 2 benötigt.

Veröffentlicht unter Allgemein, Refit | Kommentar hinterlassen